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Buchbesprechung

Leser der Zeitschrift „Sterne und Weltraum“ finden dort seit einiger Zeit eine Rubrik mit der Überschrift "Wer ist's?“.
Hier werden jeweils die Lebensdaten eines berühmten Wissenschaftlers (Astronomen, aber auch Physikers) ohne Nennung des Namens selbst dargestellt, und der Leser hat das Vergnügen, die betreffende Person zu erraten. Verfasser dieser hübschen Texte ist Thomas Bührke, Astrophysiker und bekannter Wissenschaftsjournalist.

Dem Hobby-Astronomen, der auch an der Geschichte seines Faches interessiert ist, dürfte etwa Bührkes Buch „Sternstunden der Astronomie“ nicht unbekannt sein.
Zur Zeit liegt von diesem Autor ein weiteres Bändchen vor:

Newtons Apfel. Sternstunden der Physik. Von Galilei bis Lise Meitner. München, Beck, 1998, 3. Aufl., 254 S., 9,90 Euro.

In 12 kurzen, aber prägnanten Lebensbildern werden die entscheidenden Entdeckungen der großen Physiker der Neuzeit geschildert.
Bührke erweist sich einmal mehr als Meister der kleinen , aber gehaltvollen Form: Der Leser erfährt nicht nur die bedeutsamen Erkenntnisse der Wissenschaftler, er erlebt auch ihre „innere Entstehung“ und ihren geistigen Durchbruch mit. So „erschaut“ etwa Faraday gleichsam visionär das elektromagnetische Feldlinienbild des Raumes, das von Maxwell später in die berühmten Gleichungen gefasst wird, und Max Planck steht ungläubig vor seiner eigenen Entdeckung: der Quantelung der Strahlungsenergie. Namen wie Galilei, Newton, Einstein weisen dabei auch auf die Astronomie hin.
Der Schwerpunkt der Darstellung liegt auf dem 20. Jahrhundert mit den grossen Namen wie Bohr, Rutherford, Fermi, Hahn, Meitner, um nur einige zu nennen.
Auf eine kurze Formel gebracht: Das Buch ist spannend und unterhaltsam von der ersten bis zur letzten Seite und es zeichnet sich durch eine gepflegte Sprache aus.
Der Leser gewinnt die Erkenntnis, dass nicht nur die berühmten Gestalten der „politischen“ Geschichte, sondern ebenso die herausragenden Naturwissenschaftler den Gang der Menschheitsereignisse entscheidend mitbestimmt und mitgestaltet haben.
Geschichte der Naturwissenschaft ist zugleich Geistes- und politische Geschichte.
PS
Eine persönliche Bemerkung sei dem Rezensenten noch gestattet: Das Buch sollte zur Pflichtlektüre in jeder gymnasialen Oberstufe gehören, spiegelt es doch ein Stück abendländischer Kulturgeschichte wider, das nicht der Vergessenheit anheimfallen darf!
Klaus Mensler